Destination New York

Seit mehr als 3 Wochen sind wir nun bereits in New York. Oder um genau zu sein in New Jersey. Jersey City ist jetzt nicht gerade Manhattan, aber die Wohnung ist sehr nett gelegen, direkt am Ufer des Hudson mit einem sensationellen Blick nach Manhattan. Jedenfalls wenn das Wetter es zulässt. Nebel kann einem den Blick aus dem 25. Stock auf den Fluss schon mal verwehren, von dem auf Manhattan ganz zu schweigen. Aber von vorne.

 

Unser Umzug verlief reibungslos. Abgesehen davon, dass 3 eifrige Packer über unsere Wohnung herfielen und packten, als gäbe es kein Morgen. Alles, was nicht festgenagelt, geklebt oder anderweitig immobil war, wurde eingepackt. Ob feuchtes Küchenhandtuch, angebrochene Salatsauce, etc. Und dann sind da noch die Dinge, die in der Seefracht stecken und die wir hier schon bräuchten und diejenigen, die wir bereits haben, aber nicht brauchen. Der Transport war dann genaugenommen war es ein 3-fach Split: 4 Koffer und wir im Flieger nach Newark, 5 Kartons separat per unbegleitetem Fluggepäck hinterher und der Kontainer der vermutlich gerade irgendwo auf dem Atlantik unterwegs ist, Piraterie hoffentlich ausgeschlossen. Wer eine Reise tut, hat meist etwas zu berichten. Teilweise auch schon, bevor es wirklich los geht.

 

Unsere Abflugverspätung in Frankfurt erklärte sich nämlich folgendermassen: Dem Hund eines

Passagiers wurde der Transport versagt, leider waren da Passagier und Gepäck schon an Bord. Der Passagier konnte die Maschine recht einfach wieder verlassen, das Gepäck nicht. Als das endlich passiert war, meldete sich der Pilot ein weiteres Mal. „Meine Damen und Herren, eigentlich könnten wir jetzt starten, leider aber befindet sich eine geistig verwirrte Frau an Bord, die wir aus Sicherheitsgründen erst wieder ausladen (O-Ton!) müssen, da sie nicht auf ihrem Platz sitzen bleiben will.“ Richtig, die kannten wir, denn sie sass am Gate neben uns und redete ein wenig wirr und vor allem nigerianisch auf uns ein. Und dann war da noch der Typ, der schräg vor uns im Flieger sass. Der flog entweder zum ersten Mal in der Business und fand es grossartig oder aber hatte sehr, sehr grossen Hunger. Oder aber schlicht schlechtes Benehmen. Nicht nur, dass er nach jedem der 3 Gänge seinen Teller ableckte, nein, er leckte sogar das Papierpralinenschächtelchen aus, welches zum Kaffee ausgeteilt wurde. Mehr als Kopfschütteln haben wir hier nicht zu sagen. Nun denn, wir haben es bis Newark geschafft – ohne weitere Zwischenfälle!

 

„Goodbye Deutschland“, nun ging es endlich richtig los, „Unser neues Leben“. Und zwar in einem

runtergekommenen Ford Crown Victoria, dessen Innenleben, Federung und Fahrer ihre besten Zeiten weit hinter sich gelassen hatten. Beim Wagen wäre verschrotten angesagt gewesen, beim Fahrer Gurgeln mit Odol. Beides liess sich in der Kürze der Zeit und für 65 Dollar nicht einrichten.

 

Ob es daran lag wissen wir nicht mit Sicherheit, aber Melanie hatte in den folgenden 18h mächtig Probleme mit ihrem Magen. So mächtig, dass wir am Samstag beschlossen, einen Arzt zu konsultieren. Man höre und staune, Melanie wurde ganz ohne Social Security Number und Credit History behandelt (aber nicht ohne vorher Bares auf den Tresen gelegt zu haben; in Kürze werdet Ihr erfahren, warum das nicht so ganz trivial ist). Gut, dass man den hippokratischen Eid auch hier kennt (manch anderes kennt man hier nämlich nicht). Wir wollen den Dingen ja nicht vorausgreifen, aber da eine Krankheit alleine nicht genug zu sein scheint, folgten dem noch 2 Erkältungen, diesmal wenigstens auf zwei Personen verteilt. Aber die Anfangstage brachten auch schöne Dinge. Zum Beispiel Daniels ersten Neffen. Den nämlich brachte Claudia, die Frau von Daniels Bruder Tobi in den den 18 üblen Stunden folgenden 6 Stunden zur Welt. Besonders schick ist sein Name: Leon Daniel (besonders der zweite Teil... ;-), benannt nach seinen Onkels. Auf dem Foto macht er übrigens das, was er besonders gut kann: schlafen und sein Weihnachtsoutfit zur Schau stellen. Ein netter, süsser Bursche, der viel Spass macht (vor allem wenn er schläft). Ach ja, das sollten wir vielleicht noch erwähnen, Tobi und Claudia wohnen auch in New York.

 

Mittendrin statt nur dabei – und schön, dass wir erleben können, wie der Kleine sich entwickelt.

Dann kam Daniel´s erster Arbeitstag. Seine Adresse ist mindestens ebenso cool wie der Name seines Neffen: 300 Park Avenue, New York. Mittendrin in Manhattan also und – Glück gehabt –

er hat ein Büro mit Fenstern, aus denen man mehr sieht, als nur das Nachbargebäude: 10 Stockwerke weiter unten die 49th Street (bzw. das, was das gelbe Kontinuum an Taxis

nicht verschluckt), weiter oben ein Stückchen Himmel. Nicht schlecht, jedenfalls für New Yorker

Verhältnisse. Die Alternative innerhalb des Büros wäre übrigens ein Cubicle ganz ohne Tageslicht gewesen. Dafür mit eigener Neonleuchte...Die letzten Dezembertage verliefen auch

hier reibungslos und in erster Linie mit Einarbeiten. Neue Firma, neue Produkte, neue Strategie. Und jeden Freitag ein Frühstück mit Pfannkuchen, French Toast und Bagles! Super!

 

Aber zurück zu den Startschwierigkeiten, denn die machen das Lesen dieser email ja so interessant, oder nicht? Zwei Dinge sind essentiell für das Leben in den Staaten. Die Social Security Number und die Credit History (und in letzter Instanz vielleicht noch der Firmenausweis). Ohne SS# geht nichts, ohne Credit History noch weniger (und der Firmenausweis erleichtert das freie Bewegen in 300 Park Ave ganz enorm). Kein Bankkonto, kein Handy, kein Autokauf, nichts. Die SS# haben wir mittlerweile beantragt, aber – und da stehen US Behörden den deutschen in nichts nach – das kann dauern. Bis zu 6 Wochen, je nachdem wie verdächtig man den Behörden gerade  erscheint. Die Credit History baut man im Laufe seines Lebens (das zu diesem Zwecke mindestens 6 bis 12 Monate mit Zahlungsein- und ausgängen dauern sollte) auf, indem man bspw. mit seiner Kreditkarte einkauft. Das Problem ist nur, dass man ohne Credit History gar keine Kreditkarte kriegt. Und ohne Kreditkarte keine Credit History. Man könnte auch über einen Handyvertrag langsam eine Credit History aufbauen, vorausgesetzt, man bekommt einen solchen

Vertrag. Ohne SS# und Kreditkarte aber ausgeschlossen. Nun, wir arbeiten daran...

 

Kommen wir nun aber zu den faszinierenden Dingen, die uns hier begegnet sind.

 

Nr. 1 – Der Staubsauger

Wir wissen nicht, ob alle US-Staubsauger so sind, aber unserer hat einen Scheinwerfer. Saugen Amerikaner im Dunkeln? Wir werden es mitteilen, sobald wir hinter das Geheimnis des leuchtenden Saugers gekommen sind. Möglicherweise hilft uns das „Cross-cultural training“, das uns Daniel´s Firma ans Herz gelegt hat. Anfangs eher mit leichtem Spott bedacht, dünkt uns

langsam, dies könnte hilfreich für unser weiteres Verbleiben in diesem Land sein...

 

Nr. 2 – Der Naked Cowboy

Wir wissen, dass nicht alle US-Cowboys so sind. Diesen ganz speziellen hat nur Melanie auf einem ihrer City-Walks gesehen, nicht aber Daniel. Das mag daran liegen, dass der Naked Cowboy ein halbnackter, muskulöser Gitarrenspieler in Unterhosen und Cowboystiefeln ist, der ab und an auf dem Times Square zeigt, was her hat. Bzw. kann. Mit der Gitarre. Noch Fragen?

 

Nr. 3 – Music under New York

Wer mit der New Yorker Subway ein stinkiges, lautes, dreckiges und überaltertes System von U-Bahn-Röhren verbindet, liegt damit gar nicht so falsch. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, denn die New Yorker Metropolitan Transportation Authority tut viel, um diesem Ruf entgegen zu treten und so ist bspw. sicheres Fahren tags wie nachts eigentlich kein Problem (mehr). Sauber ist es halbwegs, dreckig ebenfalls, denn hier unten leben auch Menschen, vor allem im Winter. Vor allem aber ist es laut, wenn die U-Bahn-Züge durchrattern. Umso erstaunlicher scheint es, dass gerade dieser Ort als Bühne für Musiker aller Art und Nationen gewählt wurde. Aber gerade das macht es aus. Und es ist absolut klasse, weil es anders ist, nicht in die Norm passt, weil anzugtragende Banker (oder Colgate-Mitarbeiter...) neben Obdachlosen, Schwarze neben Weissen, Kinder neben Alten stehen bleiben und hören, schauen und staunen.

 

So faszinierend ist New York.

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